Autor: Technische Abteilung Mycond
Traditionelle HLK-Systeme in Hotels werden auf Spitzen-Wärmelasten ausgelegt, berücksichtigen jedoch nicht, dass die Feuchtelast aufgrund der durchgehenden Lüftung konstant bleibt, während die Wärmelast beim Ein- und Auschecken der Gäste stark schwankt. Das führt zur Ansammlung von Feuchte, wenn der Verdichter aufgrund geringer Wärmelast abschaltet, während mit der Zuluft weiterhin Feuchtigkeit eingetragen wird.
I. Das Problem übermäßiger Feuchte in Hotels
Die Besonderheit von Hotelräumen liegt in erheblichen Schwankungen der Wärmelasten. Wenn ein Zimmer leersteht, ist die Wärmelast minimal, die Lüftung arbeitet jedoch weiter und führt Frischluft mit Wasserdampfanteil zu. Konventionelle, auf Dampfkompressionskälte basierende Kühlsysteme senken die Zimmertemperatur schnell auf den Sollwert, woraufhin der Verdichter abschaltet. Das Problem: Das System entzieht dann keine Feuchte mehr, die weiterhin nachströmt.
Die Folgen der Feuchteakkumulation sind gravierend: muffiger Geruch in den Zimmern, Schäden an der Gebäudekonstruktion und am Mobiliar, Schimmel- und Pilzbefall. Laut Branchenangaben kalkulieren Hotels und Motels den regelmäßigen Austausch von Zimmereinrichtungen gerade wegen Schimmel und Stockflecken sowie wegen beschleunigter Abnutzung, die durch übermäßige Feuchte verursacht wird.

II. Technische Ursachen der Feuchteprobleme
In Hotels und Konferenzbereichen treten im Tagesverlauf erhebliche Spitzen und Einbrüche der Wärmelasten auf. Wenn Gäste auschecken, sinkt die Wärmelast abrupt, die Lüftung läuft jedoch gemäß den Normen für Aufenthaltsräume weiter und führt kontinuierlich Feuchte zu.
Standard-Kühlsysteme haben bei niedrigen Wärmelasten nur begrenzte Entfeuchtungsleistung. Für eine wirksame Kondensation von Feuchte an Kühlregistern ist eine niedrige Oberflächentemperatur erforderlich. Bei sinkender Wärmelast schaltet das System jedoch einfach ab, bevor es die Feuchte entfernen kann.
Psychrometrisch betrachtet bleibt die Luft hinter den Kühlregistern nahezu gesättigt (etwa 90–95 % relative Feuchte) und kann keine überschüssige Feuchte aus dem Raum aufnehmen. Verfügt das Hotel über ein Schwimmbad oder eine SPA-Zone, entstehen zusätzliche erhebliche Feuchtelasten, die über die zentrale Lüftung die gesamte Gebäudestruktur beeinflussen und das Problem verstärken können.
III. Folgen unzureichender Feuchteregelung
Unzureichende Feuchtekontrolle führt zu schweren Konsequenzen für das Hotelgeschäft. In erster Linie entstehen Möbelschäden durch Schimmel, Stockflecken, Verformung von Holz und Korrosion metallischer Beschläge. Die wirtschaftlichen Verluste durch vorzeitigen Austausch der Zimmereinrichtung erfordern regelmäßige Investitionen, die sich durch bessere Feuchtekontrolle um Jahre aufschieben lassen.
Einige Hotelketten konnten die Nutzungsdauer des Mobiliars verlängern und den Investitionsbedarf senken, indem sie Schimmelbildung durch gezielte Feuchteregelung verhinderten.
Ein weiteres Problem ist die Vermehrung von Mikroorganismen in Luftkanälen stromabwärts der Kühlregister sowie in Kondensatwannen. Dort bleibt die Luft nahezu gesättigt – ideale Bedingungen für Schimmel- und Pilzwachstum im Sinne des „Sick-Building-Syndroms“. Dies verschlechtert die Raumluftqualität und verursacht muffigen Geruch.
All das wirkt sich negativ auf den Ruf des Hotels aus. Unzufriedene Gäste hinterlassen schlechte Bewertungen zu Geruch und Unbehagen, was zu niedrigeren Rankings auf Buchungsplattformen und einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit führt.

IV. Konzept der Modernisierung des HLK-Systems
Die zentrale Idee der Modernisierung bestehender HLK-Anlagen ist die Ergänzung einer separaten Feuchteregelung. Dabei regelt das herkömmliche Kühlsystem die Temperatur, während die Feuchte von einem eigenen Luftentfeuchter kontrolliert wird. So lassen sich Komfortbedingungen auch bei minimalen Wärmelasten aufrechterhalten.
Das Konzept der starken Vortrocknung der Zuluft sieht vor, Frischluft mittels Entfeuchtern vorzubehandeln, sodass sie wie ein Schwamm überschüssige Feuchte aus den Räumen aufnehmen kann – selbst dann, wenn das Kühlsystem aufgrund geringer Wärmelast abgeschaltet ist.
Je nach Einsatzbedingungen und Anforderungen sind unterschiedliche Integrationsvarianten von Adsorptions- oder Kondensationsentfeuchtern in das bestehende HLK-System möglich. Der Vorteil der Nachrüstung gegenüber einer kompletten Erneuerung der HLK liegt darin, die vorhandene, funktionsfähige Technik zu erhalten und enorme Investitionskosten für eine Neuanlage zu vermeiden.
V. Technische Lösungen für die Modernisierung
Die Wahl des Entfeuchtertyps – Kondensations- oder Adsorptionseinheit – hängt von Klima, Betriebstemperaturbereich und benötigter Entfeuchtungstiefe ab. Kondensationsentfeuchter arbeiten effizient bei Temperaturen, die über dem typischen Einsatzbereich der Wärmeübertrager liegen (ungefähr 12–15 °C je nach Gerät; die genauen Grenzen sind der technischen Dokumentation des Herstellers zu entnehmen), und können die Feuchte auf Komfortniveaus senken (in der Praxis typischerweise 40–50 % r. F. für Hotelräume; genaue Werte hängen von der Raumnutzung und lokalen Vorgaben ab).
Adsorptionssysteme funktionieren in jedem Temperaturbereich und können bei Bedarf eine tiefere Entfeuchtung liefern. Wichtig: Alle Zahlenbereiche sind ingenieurmäßige Richtwerte und werden in der Planung anhand der konkreten Betriebsbedingungen und Kundenanforderungen präzisiert.
Es gibt mehrere Integrationspunkte für Entfeuchter im System. Eine Option ist die Vortrocknung der Außen-/Zuluft vor der Mischung mit Umluft. Eine andere Möglichkeit ist die Entfeuchtung unmittelbar vor den Kühlregistern, um die latente Last des Kühlsystems zu reduzieren.
Bei der Berechnung der Feuchtelast eines Hotels sind die Zuluftmengen gemäß den Lüftungsnormen, die Infiltration durch Lobbytüren und Dienstzugänge sowie die Feuchteabgabe von Personen in Zimmern, Korridoren und Konferenzräumen zu berücksichtigen.
Für Hotels mit Schwimmbädern und SPA-Zonen sind separate, spezialisierte Entfeuchtungssysteme vorzusehen, da die Feuchtelast offener Wasserflächen enorm ist und nicht effektiv über die allgemeine Anlage kontrolliert werden kann. Wichtig ist die korrekte Einbindung der Schwimmbadtechnik in die Gesamtlüftung des Gebäudes, um eine Migration feuchter Luft in andere Zonen zu verhindern.
VI. Wirtschaftlichkeit des Projekts
Die Wirtschaftlichkeit der Modernisierung einer HLK-Anlage im Hotel zeigt sich in mehreren Aspekten. Erstens sinken die Betriebskosten durch die längere Lebensdauer des Mobiliars. Einige Hotelketten konnten dank Vermeidung von Schimmel und Stockflecken die Nutzungsdauer der Zimmereinrichtung um mehrere Jahre verlängern und Investitionen in die Erneuerung des Zimmerbestands aufschieben.
Das Hinauszögern des Möbelaustauschs (in der Hotelleriepraxis typischerweise um 3–4 Jahre) ermöglicht die Umverteilung von Kapital für andere Geschäftsbedürfnisse. Zudem führen höhere Gästezufriedenheit durch fehlenden Modergeruch und komfortable Bedingungen zu besseren Bewertungen auf Buchungsplattformen, mehr Wiederholungsbuchungen und einem höheren Revenue per available room (RevPAR), einer Schlüsselkennzahl der Hotellerie.
Wartungskosten der HLK sinken, weil die Vermehrung von Mikroorganismen in Luftkanälen und Kondensatwannen verhindert wird, was den Bedarf an häufigem Reinigen und Desinfizieren dieser Komponenten reduziert.
Für Hotels mit Schwimmbädern ergibt sich ein zusätzlicher wirtschaftlicher Effekt durch geringeren Energieverbrauch für die Abluft der Schwimmbadbereiche: Mit spezialisierten Entfeuchtern müssen nicht mehr so große Luftvolumina nach außen abgeführt werden, was im Winter Heizenergie für die Zuluft spart.
Die typische Amortisationszeit für Häuser der Mittelklasse liegt bei 2–4 Jahren – abhängig vom Ausgangszustand der Anlagen und der Nutzungshäufigkeit des Hotels. Das ist kein garantierter Wert, sondern ein ingenieurmäßiger Richtwert, der durch eine detaillierte Finanzanalyse des konkreten Objekts zu bestätigen ist.

VII. Praktische Empfehlungen für die Umsetzung
Vor Beginn der Modernisierung ist die bestehende HLK-Anlage zu untersuchen: Abschätzung der latenten Entfeuchtungsreserve, Prüfung des Zustands der Kühlregister, ihrer Oberflächentemperaturen und Leistungsdaten.
Ebenso wichtig ist die Minimierung der Feuchtelasten vor der Installation. Dazu zählen die Abdichtung der Gebäudehülle, das Eliminieren übermäßiger Luftleckagen an Türen und Fenstern sowie die Optimierung der Lüftung zur Reduktion der Außenluftmengen – soweit möglich, ohne Normen zu verletzen.
Bei der Implementierungsstrategie kann man mit Pilotzonen beginnen, z. B. einem Stockwerk oder einem Flügel, um die Wirksamkeit zu verifizieren und die Umsetzung zu erproben, oder man realisiert unmittelbar eine umfassende Modernisierung des gesamten Hotels.
Bei der Wahl der Aufstellorte kommen Dachzentralen für die zentrale Zuluftentfeuchtung oder Technikräume in der Nähe bestehender Lüftungsanlagen in Betracht.
Typische Planungsfehler sind die Unterschätzung der Feuchtelasten durch Türöffnungen, die falsche Wahl des Entfeuchtertyps für die konkreten Bedingungen sowie die fehlende Integration der Steuerung in die bestehende Gebäudeautomation. Um dies zu vermeiden, sollten erfahrene Fachleute eingebunden und alle Projektdetails gründlich analysiert werden.

FAQ
Kann man Entfeuchtung nachrüsten, ohne die bestehenden Kaltwassersätze zu ersetzen?
Ja, das ist der Hauptvorteil des Konzepts einer unabhängigen Feuchteregelung. Entfeuchter können in die bestehende Anlage integriert werden, ohne Kaltwassersätze zu tauschen. Sie laufen parallel zum vorhandenen Kühlsystem und sichern die Feuchtekontrolle, selbst wenn der Verdichter aufgrund geringer Wärmelast abgeschaltet ist.
Wie viel kostet die Modernisierung des HLK-Systems für ein Hotel?
Die Kosten hängen von vielen Faktoren ab: Größe des Hotels, benötigter Gerätetyp, Integrationsaufwand in die bestehende Anlage sowie lokalen Preisen für Geräte und Montage. Eine genaue Kostenermittlung ist erst nach technischer Bestandsaufnahme und Systemplanung für das konkrete Objekt möglich.
Wie lang ist die Amortisationszeit eines Modernisierungsprojekts?
Typischerweise 2–4 Jahre für Modernisierungen von HLK-Anlagen in Hotels der Mittelklasse. Allerdings ist dies ein ingenieurmäßiger Richtwert, der vom Ausgangszustand der Systeme, der Nutzungshäufigkeit, der Hotelkategorie und den Möbelkosten abhängt. Die genaue Amortisationszeit wird durch eine detaillierte Finanzanalyse des Objekts bestimmt.
Welche optimalen Feuchteniveaus gelten für Hotelzimmer?
Der optimale Bereich der relativen Feuchte liegt üblicherweise bei 40–50 %. Dieser Bereich sorgt für Gästekomfort und beugt Schimmel sowie der Vermehrung von Mikroorganismen vor. Konkrete Werte können je nach Klimazone, Raumnutzung und lokalen Vorschriften variieren.
Fazit
Die Modernisierung der HLK-Anlage eines Hotels durch die Ergänzung einer unabhängigen Feuchteregelung ist eine wirksame technische Antwort auf das Problem übermäßiger Feuchte, das aus der Diskrepanz zwischen konstanter Feuchtelast und variabler Wärmelast entsteht. Unabhängige Feuchtekontrolle behebt das Grundproblem traditioneller Systeme, die bei niedrigen Wärmelasten nicht effektiv entfeuchten.
Der Ausgleich zwischen Investitionskosten der Modernisierung und langfristiger Betriebseffizienz wird durch Einsparungen beim Möbelaustausch, höhere Gästezufriedenheit und geringere Wartungskosten erreicht. Bei der Wahl der technischen Lösung sollten Zuverlässigkeit der Geräte, einfache Integration in bestehende Systeme, Energieeffizienz und minimale Wartungsanforderungen Priorität haben.
Langfristige Vorteile für die Hotellerie bestehen darin, dass Feuchtekontrolle durch höhere Servicequalität und optimierte Betriebskosten zu einem Wettbewerbsvorteil wird – über Jahrzehnte der Nutzung. Diese Investition in die Hotelinfrastruktur verbessert nicht nur die Bedingungen für Gäste, sondern senkt auch die Gesamtkosten über den Lebenszyklus des Gebäudes.